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Meta: de
Title: Neujahresempfang 2026 Bits und Bäume
Short Title: Neujahresempfang B&B
Author: Entirio Rotokoly
Keywords:
Publication date: 2026-01-25
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+ post
>>teaser de 1.0
Selektiver Bericht
Rückschau Bits-und-Bäume-Neujahresempfang 2026
Ich war beim Bits-und-Bäume-Neujahresempfang am 21. Januar 2026 und durfte vom Vortrag und im Austausch mit den thematisch versierten Anwesenden viel Verblüffendes lernen/mitbekommen, und zwar:
>>post de 1.0
- Das Schlagwort der Räte (Plattformräte) ist weiter aktuell. Ich hatte schon vor etwas über einem Jahr vom 38C3 über den Ansatz eines Rätesystems berichtet.
- Gemeingut (Commons) ist nur bei gleichzeitem Vorhandensein von Ausschlussmechanismen (Exklusion) stabil. In diesem Fall wurde es in Bezug auf freie (Verwaltungs?)-Daten thematisiert, die präzise für Großkonzerne nicht frei sein sollen. Auch die Plattformräte (s.o.) können Instanzen der Exklusion sein.
- Die DSGVO individualisiert in hohem Maße die Befassung mit dem Datenschutz, jedoch sind die Risiken kollektiv. Auch als Mittel, um diesen Risiken zu begegnen, war von den Plattformräten die Rede.
- Kartellrecht ist ein mächtiges Instrument, welches sinnvoll eingesetzt werden kann. Da Regulierungsprozesse als langsamer als die Marktakteure gelten, ist eine Ex-Ante-Regulierung angebracht.
- Wenn vom (freien) „Markt“ die Rede ist, muss man immer die Frage stellen, ob der Markt existiert und wie frei er ist/je sein kann. Insofern wurde infrage gestellt, dass der freie Markt als ideales Zielbild des Kartellrechts immer erstrebenswert ist.
- Der Begriff der „Digitalen Selbstverwaltung“ wurde als Ersatz für den Begriff der Digitalen Souveränität angeregt, da letztere eine starke Konnotation als Fokus auf Nationalstaaten/Statenbünde hat. (Ich würde jedoch sagen, ein Wort mit ähnlichem Klang in vielen Sprachen wäre anschlussfähiger?)
- Wenn sich erfolgreich ein selbstverwaltetes IT-Projekt etabliert hat, wächst bei einer Übernahme/Vereinnahmung durch große Akteure die Gefahr, dass der selbstverwaltenden Geist nicht weitergeführt und eigene/externe Interessen aufgezwungen werden könnten.
- Für die Interoperabillität ist eine Standardisierung sinnvoll. Diese ist jedoch aufwändig. Insbesondere im Kontext der Selbstverwaltung ist es kritisch zu bewerten, dass die Standardisierung so stark von mächtigen Akteuren bestimmt ist. Jedoch ist trotzdem ein dezentrales System sinnvoll; RFC hat z. B. gute Grundlagen für das Internet gelegt.
- Der Stromverbrauch von KI ist nicht steuerbar, da viel Rechenleistung zum Anfragezeitpunkt selbst und gar nicht zum Training anfällt. Somit findet keine Entlastung des Stromnetzes statt, sondern es kommt einfach nur ein weiterer Energie-Großverbraucher hinzu, was ökologisch problematisch ist und keine besondere Förderung der erneuerbaren Energien bedeutet.
- Die Expert*innen zum KI-Thema verneinten, dass im Allgemeinfall KI-Prompts von Menschen (Klick-Worker*innen) beantwortet werden. Es klang jedoch nicht so, als ob ein solches Vorgehen nicht technisch sinnvoll sein könnte. Es wurde jedoch als Entzauberung bezeichnet, d. h. ich gehe davon aus, dass, um den Hypes zu stützen, dass die Nutzer*innen von KI-Systeme höchstens in Extremfällen direkt mit Menschen auf der anderen Seite kommunizieren.
- Als wichtige Kernfelder der IT, denen es an offenen Systemen mangelt, (~ low hanging fruits oder mittelfristige Ansätze) wurden individuelle Mobilitätsplanung und Wohnungsvermittlung genannt. Ich persönlich würde noch Medizin/Gesundheit ergänzen, siehe nächste Punkte:
- Zur Gesundheitsthematik war in Erfahrung zu bringen, dass im Gegensatz zur als unsicher geltenden Elektronischen Patientenakte (ePA) schon mehrere OpenSource-Lösungen in den Gesundheitsämtern im Einsatz sind (Iris Connect, GA-Lotse). Diese laufen geräuschlos und gutfunktionierend. Bei Impfverwaltung hat sich DoctoLib (kommerziell) durch ein Gratis-Angebot in eine vorherrschende Stellung gebracht.
- Aus dem Buch 2052 (Der neue Bericht an den Club of Rome) ist zu erfahren, dass sich verändernde Gesundheitsthematiken, z. B. vermehrte chronische Krankheiten, andere Behandlungsansätze erfordern. Ich habe den Eindruck, weder das (deutsche, ...?) Gesundheitssystem allgemein noch konkret die Patient*innendatenverwaltung passen damit zusammen (und vllt. ist die ePA gar nicht die Ursache dafür, dass sie so unsicher konzipiert ist?). Aus diesem Grund wäre hier mal ein Ansatz, vernünftige IT-Lösungen, verknüpft mit Diagnose- und Behandlungsansätzen zu schaffen.
- Die Meinungsfindung dazu, ob/wie eine Vergesellschaftung von Plattformen zielförmig ist, scheint noch nicht abgeschlossen zu sein. (Stichwort Twitter vergesellschaften, Immoscout (60% return of investment!) vergesellschaften) Als Positivbeispiel gilt München, wo eine kommunale Plattform Wohnungen nach Bedürfnismaßstäben verteilt. (Ist damit die Wohnungs-Tauschbörse gemeint?) Die Kieler Vermittlungsplattform wurde im Zuge des Auslaufens der zweijährigen Förderung eingestellt.
- Eine Frage, die ich mir selbst stelle, wurde indirekt teilweise beantwortet: Ich frage mich, inwiefern Unternehmenssoftware, die stark an den unternehmenseigenen Prozessen ausgerichtet ist, Open Source sein sollte. Mein eigener Antwortansatz: nein, da a) Offenlegung von Betriebsgeheimnissen und b) Dokumentationsaufwand. Antwort-Ansatz, den ich vom Bits-und-Bäume-Neujahresempfang mitnehme: hier wird auf gute Open-Source-Basiskomponenten fokussiert. Es ist also auch ein indirektes: nein.
Nicht wundern: Einiges hier beschriebene ist nicht auf dem Youtube-Mitschnitt zu hören/sehen, da es am Rande im Gesprächen/bei dem Exponant besprochen wurde.
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